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Illegalen Mülltransporten auf der A2 auf der Spur

Abfalltransporter auf dem Prüfstand

Dortmund Batteriesäure, Plastik, Elektroschrott - jeden Tag werden Tonnen von Abfällen über die A2 bei Dortmund gekarrt. Dank Kontrollen gibt es immer weniger illegale Transporte. Wir waren bei einer Kontrollaktion dabei.

Abfalltransporter auf dem Prüfstand

Tonnenweise Elektroschrott haben Beamte am Mittwoch während der internationalen Abfallkontrolle überprüft. Foto: Oliver Schaper

Seit 40 Jahren ist Peter Schmutzler Truckerfahrer. Graue Haare, dunkle Sonnebrille, rauchige Stimme. Mit einer dicken schwarzen Mappe steht der 62-Jährige neben seinem Vierzehntonner auf einem Rastplatz an der A2. Um ihn herum: Polizisten, Umweltexperten, Ingenieure, Zollmitarbeiter.

In orangefarbenen Warnwesten fragen die Kontrolleure nach Genehmigungen, Zertifikaten, Fahrzeugpapieren. Peter Schmutzler bleibt völlig entspannt. Denn in seiner schwarzen Mappe wartet alles vorbildlich zur Einsicht.

Plastikmüll über Batteriesäure bis zu Holzspähnen

An jenem Mittwochvormittag ist er einer von 87 Lkw-Fahrern, die zwischen den Autobahnabfahrten Dortmund-Mengede und Dortmund-Nordost aus dem Verkehr gezogen werden. Sie alle haben eines gemeinsam: An ihren Lastern hängt eine weiße Tafel, von der ein großes schwarzes „A“ prankt. Denn sie alle transportieren Abfall - von Plastikmüll über Batteriesäure bis zu Holzspähnen.

Während einer internationalen Abfalltransportkontrolle stecken die Mitarbeiter der Bezirksregierung Arnsberg, Polizisten und Umweltexperten ihre Nasen in die „mobilen Müllcontainer“. Für fünf Stunden werden Papiere gecheckt, Schrott begutachtet und Fahrtenbücher kontrolliert.

Aufwendige Auflagen und hohe Kosten

„Wir machen diese Kontrollen, weil Müll mittlerweile ein sehr wichtiges wirtschaftliches Geschäft geworden ist, mit dem weltweit Millionen umgesetzt werden“, sagt Benjamin Hahn, Pressesprecher der Bezirksregierung Arnsberg. Und überall, wo es Geld zu scheffeln gäbe, kämen irgendwann auch Betrüger zum Vorschein.

Der Hauptgrund für die illegalen Transporte: Gefährliche Stoffe werden nicht gekennzeichnet, weil die Auflagen entsprechend aufwendig und die Kosten dafür hoch sind. „Zum Glück sind das Einzelfälle, und die möchten wir finden“, sagt Benjamin Hahn. Schließlich seien illegale Transporte auch für die Bevölkerung hochgradig gefährlich.

Elf riesige Stahlbehälter mit giftiger Substanz

„Ist ein Transporter, der beispielsweise durch einen Unfall Säure verliert, nicht richtig gekennzeichnet, könnte das zu Verletzten oder sogar Toten führen“, erklärt Hahn, der am Rastplatz zwischen den an- und abfahrenden Schwertransportern Fotos schießt und die Lage im Blick behält.

Abfalltransporter auf dem Prüfstand

Für die Sicherheitskontrolle im Fahrerraum war die Polizei zuständig. Eine Beamtin erklärt Fahrer Peter Schmutzler ihre Prüfkriterien. Foto: Oliver Schaper

Peter Schmutzler hat indes seinen Transporter für die Kontrolle „freigelegt“. Auch er hat hochsensible Stoffe an Bord, von denen allerdings nicht wirklich etwas zu sehen ist. Elf riesige Stahlbehälter sind auf der Ladefläche aufgereiht. Eine Polizeibeamtin kontrolliert mit strengem Blick, ob alles dicht verschlossen ist.

Gleich daneben steht Jessica Hümmling von der Bezirksregierung Düsseldorf. Sie checkt die Unterlagen, füllt Formulare aus. „In den Behältern ist Nickelsalz in organischer Säure“, sagt sie. Die giftige Substanz kommt aus einem Chemiewerk und wird bis ins sächsische Aue transportiert.

„Wir machen das seit fünf Jahren“

„Die Säure ist umweltgefährdend und brennbar“, so Hümmling. Ein Gefahrgut also, was am Laster gesondert gekennzeichnet werden muss: mit orangefarbenem Schild und schwarzem Zifferncode. Der lässt auf die Art des Abfalles schließen und darauf, wo er aufgeladen wurde und hingebracht wird. Bei der fünf Tonnen Ladung von Peter Schmutzler scheint alles zu passen. Keine Beanstandungen. Auch an der „letzten Hürde“, der Führerscheinkontrolle, scheitert der Trucker nicht.

Abfalltransporter auf dem Prüfstand

Prüfender Blick: Eine Beamtin kontrolliert, ob die Stahlbehälter, in denen sich giftige Nickelsäure befindet, tatsächlich dicht sind. Foto: Oliver Schaper

„Das klingt komisch, aber das haben wir auch schon erlebt“, sagt Bernd Müller. Als Leiter der Umweltabteilung der Arnsberger Bezirksregierung hat er bei der Kontrollaktion nicht zum ersten Mal den Hut auf. „Wir machen das seit fünf Jahren. Wir haben schon festgestellt, dass die größeren Verstöße durch den Kontrolldruck geringer geworden sind.“

Etwa jeder zehnte Lkw habe eine Ordnungswidrigkeit zu verzeichnen. „Dabei handelt es sich beispielsweise um unvollständige Papiere“, erklärt Müller. Etwa 460 Abfalltransporter wurden im vergangenen Jahr von Aktionen der Bezirksregion kontrolliert. In den meisten Lkw werden Computerschrotte, Hölzer und chemische Stoffe transportiert.

Illegalen grenzüberschreitenden Transport entdeckt

Während Peter Schmutzler an der A2 auf dem Parkplatz Herrenthey „festhängt“, kontrolliert zur selben Zeit ein anderes Team Transporter an der A45 auf dem Parkplatz Kirchlinde. „Die Lkw-Fahrer sind schnell und geben ihren Kollegen Bescheid“, weiß Bernd Müller, der sich nichts durch die Lappen gehen lassen will.

„Wenn die Fahrer der Kontrolle aus dem Weg gehen wollen, biegen sie vor dem Autobahnrastplatz ab, werden dann aber an der zweiten Kontrollstelle abgefangen.“

Die Bilanz des Tages: Bei 17 Prozent der kontrollierten Abfallfuhren waren die rechtlichen Papiere unvollständig oder nicht korrekt ausgefüllt. In einem Fall wurde ein illegaler grenzüberschreitender Transport festgestellt. Außerdem gab es Verstöße gegen Lenk- und Ruhezeiten, technische Mängel und unzureichende Ladungssicherung.

Abfalltransporter auf dem Prüfstand

Mehr als 40 Umweltexperten, Polizisten und Zollbeamte waren an der A2 in Dortmund im Einsatz. Foto: Oliver Schaper

Zum wievielten Mal Peter Schmutzler schon von der Polizei von der Straße gezogen wurde, kann er nicht mehr zählen. Jeden Tag fährt der Vogtländer quer durch Deutschland, transportiert Autoschrott und „Flüssigmüll“. Früher, erzählt er, war er mit dem Truck sogar europaweit unterwegs. Die Kontrollen findet er „nicht schlimm“. Auch wenn er von den Beamten fast eine ganze Stunde aufgehalten wurde.

Feierabend des Fahrers verschiebt sich

„Ich dokumentiere das alles im Fahrtenbuch. Kein Problem“, sagt er mit Zigarette in der rechten Hand. Er sitzt längst hinterm Lenkrad, bereit zur Weiterfahrt. Sein Feierabend verschiebt sich heute nach hinten. Kurz vor 18 Uhr, so verspricht es das Navi, kommt er mit der giftigen Säureladung im sächsischen Aue an. „Es passiert einfach so viel, die Kontrollen sind wichtig“, resümiert der Fahrer.

Seine schwarze Mappe mit allen wichtigen Unterlagen hat er wieder sicher verstaut. Denn er weiß: Es wird nicht lange dauern bis vor seiner Frontscheibe wieder „Bitte folgen. Polizeikontrolle“ aufblinkt.

Das internationale Kontrollteam unter Federführung der Bezirksregierung Arnsberg besteht aus Abfallexperten der Bezirksregierungen in NRW, Kontrolleuren des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG), der Autobahnpolizei Dortmund, dem Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz, der Wasserschutz- sowie der Hafenpolizei Rotterdam und dem Hauptzollamt Dortmund.

Insgesamt waren mehr als 40 Fachkräfte im Einsatz. Für 2018 sind insgesamt 14 Kontrollaktionen zusammen mit BAG, Polizei und Zoll geplant.

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