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Album „Sonny Black“ ist zu Unrecht auf dem Index

Bushido gewinnt Prozess gegen Bundesprüfstelle

Achtung, Gefahr für die Jugend: Seit Jahren darf Bushidos CD „Sonny Black“ nicht an Minderjährige verkauft werden. Der Rapper hat dagegen geklagt und Recht bekommen - weil bei der Abwägung zwischen Jugendschutz und Kunstfreiheit nicht sorgfältig gearbeitet wurde.

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Münster

, 16.05.2018
Album „Sonny Black“ ist zu Unrecht auf dem Index

Der Rapper Bushido hat gegen die Indizierung des Albums „Sonny Black“ geklagt. Das Oberverwaltungsgerichts Münster gab ihm jetzt in zweiter Instanz recht. © dpa

In der Verhandlung fallen üble frauenfeindliche Schimpfworte, die wohl sonst eher selten im Saal des Oberverwaltungsgerichts Münster zu hören sind. Der Anwalt der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, Marc Liesching, zitiert aus einem umstrittenen Album des Gangster-Rappers Bushido. Er will deutlich machen, warum die Behörde den Verkauf der Platte an Jugendliche 2015 untersagt hatte.

Doch bei den Richtern stößt er damit auf taube Ohren: Bei der Indizierung des Albums als jugendgefährdend habe die Behörde nicht sorgfältig genug abgewogen zwischen Kunstfreiheit und Jugendschutz, so ihr Urteil am Mittwoch. Vor allem werfen die Richter der Bundesprüfstelle vor, nicht alle an der Platte beteiligten Künstler angehört zu haben und somit keine ausreichende Entscheidungsgrundlage gehabt zu haben.

Revision ginge vor das Bundesverwaltungsgericht

Damit hat Bushido im langwierigen Rechtsstreit gegen die Bundesbehörde nun in zweiter Instanz einen Sieg errungen. Wird das Urteil rechtskräftig, könnte sein Album wieder an Minderjährige verkauft werden. Doch die Richter haben Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht zugelassen. Ob die Bundesprüfstelle das Urteil nach ihrer Schlappe in Münster höchstrichterlich überprüfen lassen will, muss sie noch entscheiden.

Die Prüfstelle hält die Texte für gewaltverherrlichend, frauenfeindlich und homophob. Sie glaubt, dass dadurch die Jugend verroht. Deshalb wurde „Sonny Black“ auf die Liste der jugendgefährdenden Medien genommen. Seit 2015 darf das Album nicht an Kinder und Jugendliche verkauft werden.

Die brutale und diskriminierende Sprache könne auf Jugendliche abfärben und zu einem Empathieverlust führen. Ein gesteigerter Kunstgehalt, der diese problematischen Wirkungen überwiege, sei dagegen nicht zu erkennen, so die Argumente der Prüfstelle. In erster Instanz hatten die Richter die Bonner Behörde noch im Recht gesehen.

Bushido sieht Recht auf Kunstfreiheit verletzt

Doch Bushido, der in Münster am Mittwoch nicht anwesend ist und seine Anwälte sprechen lässt, legte Berufung ein. Sein Mandant sehe sich in seinem Recht auf Kunstfreiheit verletzt, trägt Anwalt Heiner Bindhardt vor. Dabei sei der Sinn einer Indizierung in der heutigen Zeit nur noch schwer nachvollziehbar. Schließlich seien die Songs für Jugendliche jederzeit im Internet verfügbar, „viele davon millionenfach geklickt“.

Er vertrete seit vielen Jahren Mandanten in Indizierungsverfahren und ihm fehle es seit jeher an Nachweisen, dass das Genre des Gangster-Raps tatsächlich die verrohende Wirkung habe, die ihm zugeschrieben wird. Es gebe sogar Gutachter, die die Kunstform für identitätsstiftend hielten. Es sei doch besser, Gewalt in Texten auszudrücken als mit der Faust. Und überhaupt: Immer gehe es nur um die bösen Texte, gar nicht um den künstlerischen Wert der Musik.

Bundesprüfstelle versäumt Stellungnahmen aller Künstler einzuholen

Dass das Gericht am Ende weniger über die Gefährlichkeit brachialer Textzeilen für Jugendliche einerseits und den Kunstgehalt des oft brutal überzeichneten Gangsta-Rap-Genres andererseits entscheidet, liegt dabei ausgerechnet auch an durchaus umstrittenen Rap-Kollegen. Die Echo-Gewinner Farid Bang und Kollegah, die wegen Antisemitismus-Vorwürfen in die Kritik gerieten, sind ebenfalls auf „Sonny Black“ zu hören.

Doch statt sie um Stellungnahme zu bitten, hatte die Bundesprüfstelle Bushido als Haupturheber lediglich lapidar „anheimgestellt“, Namen und Anschriften der Mitwirkenden zu nennen. Dadurch, dass die Bundesprüfstelle sich an dieser Stelle nicht mehr Mühe gemacht hat, ist nun aus Sicht der Münsteraner Richter die gesamte Indizierung der Platte rechtswidrig. „Eine schlichte Abfrage bei der Gema hätte gereicht, um alle bürgerlichen Namen in kürzester Zeit zu ermitteln“, so der Richter in der Verhandlung.

dpa